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Zur Erkrankung:
Bei der juvenilen Zellulitis handelt es sich um eine akute Dermatitis nichtbakterieller Ursache, die deskriptiv auch als juvenile sterile granulomatöse Dermatitis und Lymphadenitis, juvenile Pyodermie und Lymphdenitis, Jungtierpyodermie, Puppy strangles oder auch Big Head bezeichnet wird.
Sie tritt nur selten auf und beschränkt sich auf die Altersgruppe zw. ein und vier Monaten. Es verschiedene Rassen betroffen: Es existiert jedoch einer deutlichen Vorkommenshäufigkeit beim Golden Retriever, Dachshund, Labrador, pointer und Gordon Setter. Es können neben Einzeltieren auch mehrere oder sogar alle Welpen eines Wurfes betroffen sein.

Symptome und Klinik:
Zunächst entwickeln betroffen Tiere Erytheme mit Schwellungen der Lefzen, des Kinns und der Augenlider. Hieraus entsteht eine nässende diffuse akute Dermatitis mit Pusteln und Alopezie unter Einbezug der Ohren, was sich als Otitis externa präsentiert. Es folgt einen regionale, das heißt mandibuläre und präskapuläre Lymphadenopathie mit oder ohne Abszessbildung. Mit zunehmenden Symptomen verschlechtert sich der Allgemeinzustand, was sich in Anorexie und Lethargie äußert und meist mit Fieber einhergeht.
In manchen Fällen können zusätzliche Symptome einer Polyarthritis in Form von schmerzenden Gelenken auftreten. Im weiteren Verlauf der Erkrankung findet man an allen mukokutanten Übergängen Schwellungen und Pusteln, so dass neben dem Gesicht und den Ohren nun auch Anus, Präputium und Vulva betroffen sein können.

Ursache und Pathogenese:
Die Ätiologie der juvenilen Zellulitis ist unklar. D.W. Scott konnte nachweisen, dass die betroffenen Welpen eine verminderte in vitro Lymphozytentransformation aufweisen, die sekundär durch einen Serumfaktor verursacht wird. Ebenso wird eine verminderte Lymphotzytenfunktion und eine Hypersensivität des Immunsystems im Zusammenhang mit der juvenilen Zellulitis beschrieben.
Versuche, die Erkrankung auf neugeborene Welpen zu übertragen, waren erfolglos. Stress, Endoparasitenbefall und mangelhafte Hygiene sind prädisponierende Faktoren. Durch die Häufung bestimmter Rassen wird eine genetische Prädisposition bzw. Heredität diskutiert. Manche Autoren vermuten eine Empfindlichkeit gegenüber St. aureus. Die juvenile Zellulitis tritt zum Teil assoziiert mit Impfungen auf, was aber durch die betroffene Altersgruppe von 1-4 Monaten bedingt und damit ein zeitlicher Zusammenhang rein zufällig sein könnte.

Diagnose:
erfolgt aufgrund des Vorberichts, der klinischen Untersuchungen mit den typischen Symptomen und durch Ausschluß infektiöser Hintergründe wie z. B. der Demodikose mittels Hautbiopsien, Hautgeschabsel und Dermatophyten-Kulturen. Aspirate intakter Pusteln sind meist steril und weisen einen hohen Gehalt an neutophilen Granulozyten auf. Verkrustete Pusteln weisen oftmals einen sekundären Besatz mit Staphylokokkus aureus oder Klebsiellen auf. Gelenkspunktate bei Polyarthritissymptome sind ebenfalls steril (suppurative Arthritis).

Labor:
Da die Laborbefunde unspezifisch sind, können sie nur begleitend und nicht zur Diagnosestellung herangezogen werden. In vielen Fällen zeigt sich eine leichte normozytäre, normochrome Anämie, die sich durch die vorliegende Entzündung erklären läßt. Leukozytose mit Neutrophilie sind ebenfalls ein Zeichen akuter Entzündungsprozesse oder stressinduziert. Das Gesamteiweis kann erhöht sein.

Therapie:
Mittel der Wahl sind Glukokortikoide, z.B. Prednisolon, in einer Dosierung von
2 mg/kg KGW über 7 Tage. Bei Verbesserung der Symptome wird die Prednisolon Dosierung auf 1 mg/kg KGW und über 21-28 Tage fortgeführt.
Wegen der Beeinträchtigung der körpereigenen Abwehrkräfte durch die Glukokortikoide und zur Vermeidung von Sekundärinfektionen sind parallel Antibiotika einzusetzen. Hier können Amoxicillin (10mg/kg KGW 2x täglich) kombiniert mit Clavulansäure (2,5 mg/kg KGW 2x täglich) oder Cephalosporine (20-30 mg/kg KGW 2x täglich) über 3-4 Wochen ein gesetzt werden. Ein zu frühes Absetzen der Medikamente ist tunlichst zu vermeiden, da es dann fast regelmäßig zu Rückfällen kommt.
Die Medikation sollte nach Angaben in der Literatur immer bis über das Abheilen der Symptome hinaus erfolgen. Die Prognose bezüglich der vollständigen Abheilung ist gut.

Fazit:
Dass trotz guter Prognose der juvenilen Zellulitis eine Ausbreitung über die regionäre Lymphknoten hinaus das betroffene Tier so massiv schwächen kann, so dass eine Euthanasierung aus tierschützerischen Gründen notwendig sein kann. Um die Prognose zu verbessern, sollte möglichst frühzeitig mit einer wirksamen Therapie begonnen werden. Bei Dermatitissymptome im Gesichtbereich hat ein zügiger Ausschluss von Demodikose u. a. Infektionserkrankungen zu erfolgen; bei entsprechenden klinischen Symptomen und dem nichtansprechen auf Antibiotika sollte an das Vorliegen einer juvenilen zellulitis gedacht werden.Unverzichtbar erscheint ein Zuchtausschluss beider Elterntiere, da ein hereditäres Auftreten diskutiert wird. Zur Zeit wird von den Zuchtverbänden lediglich die Empfehlung ausgesprochen, entsprechende Verpaarungen, die zu erkrankten Welpen führen zu meiden.


Quelle: Tierklinik Tierzentrum-Gelnhausen